Ernst Zander-Preis 2017
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Am 12.5.2017 wurde der Ernst Zander-Preis 2017 an der Ruhr-Universität Bochum vergeben. Durch diesen von Herrn Prof. Dr. Ernst Zander gestifteten Preis werden alljährlich herausragende wissenschaftliche Leistungen (vorrangig Dissertationen) aus allen Fakultäten der Ruhr-Universität, insbesondere aus den Fakultäten für Wirtschaftswissenschaft, Rechtswissenschaft und Ingenieurwissenschaft ausgezeichnet. Die Auswahl der preiswürdigen Arbeiten erfolgt -auf Vorschlag des Instituts für Unternehmensführung (ifu) der Ruhr-Universität Bochum- durch den Vorstand der Alwin Reemtsma-Stiftung.

Den Ernst Zander-Preis erhielten in diesem Jahr Frau Dr. Katrin Schulz („Wirtschaftlichkeitsanalysen von KWK-Anlagen mittels Einsatzoptimierung unter Unsicherheit, Betreuerin: Prof. Dr. Brigitte Werners, Zweitgutachterin: Prof. Dr. Marion Steven) sowie Frau Dr. Lara Wiesche („Resource Allocation for Emergency Medical Services – Decision Support for Health Care Management“, Betreuerin: Prof. Dr. Brigitte Werners, Zweitgutachterin: Prof. Dr. Marion Steven). Der Preis wurde vom Stifter des Preises, Herrn Prof. Dr. Ernst Zander, gemeinsam mit der Kanzlerin der Ruhr-Universität Bochum, Frau Dr. Christina Reinhardt, überreicht.

Frau Dr. Schulz arbeitet nach ihrer Tätigkeit am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensforschung und Rechnungswesen von Frau Prof. Dr. Brigitte Werners seit Februar 2017 als Gruppenleiterin im Bereich Konzeptentwicklung und Technik der Stadtwerke Düsseldorf (SWD AG).
Frau Dr. Wiesche arbeitet nach ihrer Tätigkeit am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensforschung und Rechnungswesen von Frau Prof. Dr. Brigitte Werners seit April 2017 bei der Vonovia SE im Geschäftsprozessmanagement.

Foto Zp 2017

Das Foto zeigt v.l.n.r.: Prof. Dr. Marion Steven, Prof. Dr. Ernst Zander, Dr. Lara Wiesche, Dr. Katrin Schulz und  Prof. Dr. Brigitte Werners.
© Petrowa

 

Wirtschaftlichkeitsanalysen von KWK-Anlagen mittels Einsatzoptimierung unter Unsicherheit

Mit dem im Energiewirtschaftsgesetz verankerten Umbau des deutschen Energiesystems wird eine Versorgung zunehmend aus erneuerbaren Energien angestrebt. Deren Förderung durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat zu einer Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien auf 13,7 % am Bruttoendenergieverbrauch im Jahr 2014 geführt.

Aufgrund der vorherrschenden Windkraft und Photovoltaik hängt die erzeugte Strommenge jedoch stark von Windgeschwindigkeit bzw. Intensität der Sonneneinstrahlung ab. Im Falle einer geringen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien werden alternative konventionelle, möglichst umweltfreundliche Erzeugungsanlagen benötigt. Dies sind insbesondere  gasgefeuerte Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die aufgrund der gekoppelten Erzeugung von Strom und Wärme bzw. Dampf einen hohen Brennstoffausnutzungsgrad aufweisen und damit sehr effizient sind. Betreiber solcher KWK-Anlagen sind bestrebt, diese möglichst ökonomisch einzusetzen. So lassen sich mit dem Stromverkauf am Markt zusätzliche Erlöse erzielen, wenn die Preise die Erzeugungskosten übersteigen. Allerdings weisen sowohl kommunale als auch industrielle KWK-Anlagen aufgrund der vorrangig zu erzeugenden Wärme- bzw. Dampfmengen eine eingeschränkte Flexibilität auf.

Frau Dr. Schulz analysiert in ihrer Arbeit die daraus resultierenden Herausforderungen für die Einsatzmöglichkeiten und die Wirtschaftlichkeit kommunaler sowie industrieller KWK-Anlagen. Um den optimalen Einsatz einer spezifischen KWK-Anlage zu ermitteln, werden die potenziellen Fahrweisen der jeweiligen Anlage berücksichtigt sowie die Möglichkeiten zum Stromhandel, der von unsicheren und volatilen Preisen auf dem Strommarkt gekennzeichnet ist. Die entwickelten mathematischen Modellierungsansätze werden durch Einsatz von Standardsoftware gelöst und ermitteln das optimale Engagement auf dem Strommarkt sowie die darauf abgestimmte Fahrweise der KWK-Anlage. Die Einsatzoptimierung verdeutlicht, welchen Einfluss die vorhandene Flexibilität auf das operative Ergebnis bzw. die Wirtschaftlichkeit hat. Daraus resultierend untersucht Frau Dr. Schulz Erweiterungs- bzw. Ersatzinvestitionen, die einen flexibleren Anlageneinsatz erlauben. Es werden innovative Lösungsansätze für diese strategischen Investitionsentscheidungen entwickelt, die auch die Risikoeinstellung des KWK-Anlagenbetreibers als Entscheidungsträger berücksichtigen.


Resource Allocation for Emergency Medical Services – Decision Support for Health Care Management

Die medizinische Erstversorgung von Patienten bei Notfalleinsätzen ist ein essentieller Aspekt des Rettungswesens und ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Versorgung. Die Planer der Rettungsdienste sind mit einer komplexen Entscheidungssituation zur optimalen Standortplanung und optimalen Ressourcenallokation konfrontiert, die sich in einer Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten konkretisieren. Auf operativer Ebene zeigt sich direkt, ob die auf strategischer Ebene entschiedenen und auf taktischer Ebene umgesetzten Entscheidungen der Kommunen, der Krankenkassen und des Rettungsdienstes zu einer schnellstmöglichen Versorgung des Patienten führen. Insbesondere Fragestellungen der Standortplanung für Rettungswachen, Rettungsmittel und Rettungsdienstpersonal sind in einem dynamischen und von Unsicherheit geprägten Umfeld für die schnelle Erstversorgung ein wichtiger Einflussfaktor.
Frau Dr. Wiesche entwickelt und präsentiert in ihrer Arbeit verschiedene Systeme zur optimalen Entscheidungsunterstützung in der Ressourcenplanung im Rettungsdienst unter Berücksichtigung von Unsicherheit und Dynamik. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist, auf Basis empirischer Beobachtungen Optimierungsmodelle zu entwickeln, die sowohl Einblicke in das Entscheidungsproblem als auch Handlungsempfehlungen zur optimalen Entscheidungsfindung geben. Die vorgeschlagenen Optimierungsmodelle steigern die Qualität der Versorgung auf Grundlage empirisch ermittelter Bedarfe durch eine zeitliche Differenzierung der Ressourcen und gewährleisten gleichzeitig die Praktikabilität für die reale Anwendung der Ansätze. Vor diesem Hintergrund wird ein integriertes Konzept vorgestellt, das die Personal- und die Fahrzeugplanung im Rettungsdienst verknüpft. Durch die Kombination der Entscheidungsunterstützung mittels mathematischer Optimierung und Evaluation von Handlungsalternativen durch Simulation können reale Fragestellungen des Rettungsdienstes zielgerichtet bewertet sowie die Vorteile der zeitbezogenen Ressourcenallokation in Bezug auf die optimale Entscheidung und die resultierende Versorgungsqualität untersucht und beurteilt werden. Mithilfe der vorgestellten innovativen Optimierungsansätze kann die Effizienz der Rettungsdienstsysteme gesteigert werden, ohne dabei die Aufrechterhaltung der Versorgungsqualität und die Praktikabilität der vorgeschlagenen Lösungen zu vernachlässigen.