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Am 4.5.2018 wurde der Ernst Zander-Preis 2018 an der Ruhr-Universität Bochum vergeben. Durch diesen von Herrn Prof. Dr. Ernst Zander gestifteten Preis werden alljährlich herausragende wissenschaftliche Leistungen (vorrangig Dissertationen) aus allen Fakultäten der Ruhr-Universität, insbesondere aus den Fakultäten für Wirtschaftswissenschaft, Rechtswissenschaft und Ingenieurwissenschaft ausgezeichnet. Die Auswahl der preiswürdigen Arbeiten erfolgt -auf Vorschlag des Instituts für Unternehmensführung (ifu) der Ruhr-Universität Bochum- durch den Vorstand der Alwin Reemtsma-Stiftung, dem u.a. die Kanzlerin der Ruhr-Universität angehört.

Den Ernst Zander-Preis erhielten in diesem Jahr Herr Dr. Omar Barekzai („Kapitalmarkt, Unternehmensfinanzierung und Finanzberichterstattung: Theoretische und empirische Analysen im Kontext internationaler Rechnungslegungsnormen“, Betreuer: Prof. Dr. Bernhard Pellens, Zweitgutachter: Prof. Dr. Stephan Paul) und Frau Dr. Nadine Guba („Energy Portfolio Optimisation under Uncertainty – Multistage Stochastic Models for Optimising Energy Procurement and Power Plant Operation Planning“, Betreuerin: Prof. Dr. Brigitte Werners, Zweitgutachterin: Prof. Dr. Marion Steven). Der Preis wurde von der geschäftsführenden Direktorin des Instituts für Unternehmensführung, Frau Prof. Dr. Marion Steven, überreicht.

Herr Dr. Barekzai arbeitet nach seiner Tätigkeit am Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung von Herrn Prof. Dr. Bernhard Pellens als Unternehmensberater bei der Topmanagement-Beratung Berg Lund & Company in Hamburg.
Frau Dr. Guba ist nach ihrer  Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin  am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Unternehmensforschung und Rechnungswesen von Frau Prof. Dr. Brigitte Werners an diesem Lehrstuhl als Postdoktorandin tätig.

 

Zp 2018

Das Foto zeigt v.l.n.r.: Prof. Dr. Brigitte Werners, Dr. Nadine Guba, Prof. Dr. Marion Steven, Dr. Omar Barekzai und Prof. Dr. Bernhard Pellens.
© Petrowa


Kapitalmarkt, Unternehmensfinanzierung und Finanzberichterstattung: Theoretische und empirische Analysen im Kontext internationaler Rechnungslegungsnormen

Im Rahmen der Investitionstätigkeit benötigen Unternehmen Kapital zur Finanzierung der Erstellung und des Absatzes von Leistungen. Die Finanzierung der Investitionen kann dabei einerseits in Form von Beteiligungskapital von Eigentümern oder andererseits durch die Aufnahme von Fremdkapital bei Gläubigern erfolgen. Während Fremdkapitalgeber eine erfolgsunabhängige Verzinsung auf das verliehene Kapital fordern, besitzen die Eigenkapitalgeber einen Residualanspruch auf die künftigen Unternehmensgewinne. Die Höhe der Kapitalvergütung für das bereitgestellte Kapital wird durch Bildung eines Gleichgewichts aus Angebot und Nachfrage auf einem Kapitalmarkt bestimmt.
Im Rahmen der Preisfindung hat das Management aufgrund der Trennung von Eigentum und Verfügungsmacht einen Informationsvorsprung gegenüber den Kapitalgebern, da Letztere die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Zahlungsströme nicht so präzise einschätzen können wie das Management selbst. In Konsequenz hat das Management die Möglichkeit, diesen Informationsvorsprung bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben zur Maximierung des eigenen Nutzens und ggf. zum Nachteil der Kapitalgeber einzusetzen. Da es den Kapitalgebern nicht bzw. nur unter hohen Kosten möglich ist, die notwendigen Informationen zu beschaffen, bleiben diesen jedoch wichtige Eigenschaften des Investitionsobjekts verborgen. Dies führt dazu, dass die Kapitalgeber für das Informationsdefizit einen Risikozuschlag auf die geforderte Verzinsung fordern. Zur Abmilderung dieser Probleme wird von Seiten der Kapitalgeber eine umfassende Finanzberichterstattung gefordert. Das Metaziel der Finanzberichterstattung liegt dabei in der gezielten Reduktion des Informationsvorteils des Managements gegenüber den Kapitalgebern durch Offenlegung komprimierter und entscheidungsnützlicher Unternehmensinformationen. Somit stellt die Finanzberichterstattung ein Bindeglied zwischen der Unternehmensfinanzierung und dem Kapitalmarkt dar.
Im Zuge einer zunehmenden Internationalisierung der Kapitalmärkte sind die Regulierer dabei gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen für grenzüberschreitende Unternehmensaktivitäten und somit die Basis für internationale Kapitalströme zu schaffen. Dies erfordert eine einheitliche Sprache bei der Darstellung der Unternehmenslage, weshalb der Vereinheitlichung internationaler Rechnungslegungsnormen eine besondere Bedeutung zukommt. Entsprechend sind die Harmonisierungsbestrebungen der beiden größten weltweiten Standardsetter FASB und IASB eine logische Konsequenz, um schließlich das Ziel einer einzigen weltweit anerkannten Rechnungslegungsnorm zu erreichen.
Vor diesem Hintergrund werden im Rahmen der kumulativen Dissertationsschrift von Herrn Dr. Omar Barekzai die (partiellen) Wechselwirkungen zwischen dem Kapitalmarkt, der Unternehmensfinanzierung und der Finanzberichterstattungen im Kontext internationaler Rechnungslegungsnormen (IFRS) analysiert. Im Speziellen fokussieren die darin enthaltenen Forschungsbeiträge die folgenden Themenkomplexe: Pensionsverpflichtungen, Finanzinstrumente und Kapitalträge sowie Umsatzrealisierung. Hierbei wurden die Problemstellungen einzelfallbezogen durch modelltheoretische, normative sowie empirische Analysen untersucht.

 

Energy Portfolio Optimisation under Uncertainty – Multistage Stochastic Models for Optimising Energy Procurement and Power Plant Operation Planning

In den vergangenen Jahren war die deutsche Energiewirtschaft fundamentalen Veränderungen ausgesetzt, was zu großen Herausforderungen für energiewirtschaftliche Unternehmen führte. Wie in kaum einem anderen Markt haben sich die Rahmenbedingungen durch staatliche Regulierungsmaßnahmen und drastische Marktentwicklungen verändert. Beispielsweise sind durch die Liberalisierung neue Großhandelsmärkte entstanden, die zusätzliche Erlöspotenziale für Unternehmen in der Energiewirtschaft bieten. Um diese nutzen zu können, müssen Unternehmen ihre Kraftwerkseinsatzplanung und Handelsstrategien jedoch an diese veränderten Rahmenbedingungen anpassen. Für Industrie- und Gewerbeunternehmen stellen gestiegene Strom- und Gaspreise eine weitere Herausforderung dar, die für diese Unternehmen eine nicht zu vernachlässigende finanzielle Belastung sind. Um unter diesen erschwerten Bedingungen weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Unternehmen bei gleichbleibendem Energieverbrauch Potenziale zur Reduktion der Energiebeschaffungskosten ausschöpfen.
Vor dem Hintergrund dieses hochgradig komplexen Marktumfeldes entwickelt Frau Dr. Nadine Guba im Rahmen ihrer Dissertation für unterschiedliche Entscheidungsträger vielfältige Lösungsansätze, die für die betroffenen Unternehmen eine quantitative Entscheidungsunterstützung anbieten und damit zu einem Bestehen unter diesen herausfordernden Rahmenbedingungen beitragen. So werden einerseits Strategien entwickelt, wie Industrie- und Gewerbekunden ihre Energiebeschaffungskosten unter Berücksichtigung des Mengen- und Marktpreisrisikos reduzieren können. Hierfür werden Chancen und Risiken verschiedener Beschaffungsstrategien analysiert und diskutiert. Eine andere Kernfragestellung der Dissertation ist der optimale Betrieb von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen mit Fernwärmespeicher im Hinblick auf Erlöspotenziale, die sich durch den Handel auf unterschiedlichen Strommärkten ergeben. Mit Hilfe mehrstufiger stochastischer Optimierungsmodelle werden die Fahrweise der Anlage mit Speicher und der Handel auf verschiedenen Märkten simultan optimiert. Hierbei zeigt sich, dass die Wirtschaftlichkeit des Anlagenbetriebs durch den Handel auf mehreren Energiemärkten signifikant gesteigert werden kann. Um in den unterschiedlichen Fragestellungen Handlungsempfehlungen für optimale Entscheidungen geben zu können, entwickelt Frau Dr. Guba innovative mathematische Modellierungsansätze, die die zeitliche Abfolge der zu treffenden Entscheidungen sowie die vorherrschende Unsicherheit bezüglich zukünftiger Energiepreise und -verbräuche adäquat berücksichtigen. Durch die Verwendung geeigneter Risikomaße wird zudem die Risikoeinstellung des jeweiligen Entscheidungsträgers einbezogen.

Hier geht es zum Bericht der Ruhr-Universität: http://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2018-05-07-ernst-zander-preis-gewinne-der-energiewirtschaft-und-einheitliche-finanzberichte